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Bekanntlich haben Lehrer viele Ferientage – das scheint glücklicherweise ein internationales Privileg dieser Berufsgruppe zu sein. Doch bevor wir den Campus hier Ende Semester verlassen dürfen, müssen wir noch eine Kleinigkeit erledigen: Ein Heer von 600 nahezu anonymen Studenten soll fair und transparent auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent beurteilt werden, wobei 60 Prozent die Grenze zur genügenden Note darstellt.
Fürs „Oral English“ führt Thomas hierzu mit sämtlichen 200 Studenten ein je fünfminütiges Gespräch durch… das macht also 1000 Minuten Small Talk basierend auf einem Basisvokabular von höchstens ebensovielen Worten. Dies reduziert mögliche Gesprächsthemen relativ stark: „What did you do last weekend?“ – „Computer and I like sleeping also.“ Oder: „Tell me more about your family, please.“ – „I live with my father in a house. She is a farmer - längeres Schweigen – Sorry Sir, my English is so poor!“ Unserer Meinung nach ein recht bescheidenes Level nach sechs Jahren Englischunterricht, doch nach Vorgabe der Schule dürfen maximal 10% der Schüler eine ungenügende Note erhalten und 30% müssen einen sehr guten Wert über 85% erreichen. Somit lässt Thomas Gnade vor Recht walten und kneifft bei der Beurteilung beide Augen (und Ohren) zu.
Da bietet die Marketingprüfung, basierend auf einem 400-seitigen Lehrbuch doch einiges mehr an zu prüfendem Inhalt. Dieselben Studenten, welche mit ihren „Oral English“-Lehrern Small Talk geübt haben und nun wissen sollten wie man einfache alltägliche Situationen meistern kann, müssen nun in derselben Woche beweisen, dass sie auch anspruchsvolle Marketingstrategien auf Englisch verstehen und diese in der Wirtschaftssprache wiedergeben können. Hochgesteckte Ziele für ein drittklassiges College in Sichuan! Kurz nachdem die von einer externen Unternehmung erstellte Prüfung von den Schülern gelöst wurde, wird Andrea auch gleich ihr Anteil von 400 Prüfungen übergeben. Dank der kostenlosen Unterstützung durch drei Studentinnen („We see it as our duty to help you. We don’t take money from friends!“) und einem Sondereffort von unserer Seite, sind die Prüfungen 18 Stunden später vollständig korrigiert – das Resultat ist ernüchternd! Beispiele gefällig?
Frage: „Compare the traditional 4Ps with the current 4Cs of Marketing.“
Korrekte Antwort: „4Ps (Product, Price, Place, Promotion); 4Cs (Costumer Solution, Cost, Convenience, Communication). Nowadays, the focus is rather on the customer side…“
Verzweifelte Schülerantwort: „The PS is an old game. One or two people can play it. The CS is for more people, many students like playing it. Today more people play the CS than the PS, because the PS is more expensive.“
Eine naheliegende Idee, wenn man jede Nacht stundenlang Counterstrike (CS) spielt und schon immer gerne eine eigene Playstation (PS) gehabt hätte.
Einige Schüler sind zu wenig gerissen, um ihr Unwissen derart geschickt zu kaschieren. Antwort einer Schülerin auf dieselbe Frage: „Dear teacher, I am so sorry. I have troubles to say the answer to this question. I feel it too difficulty. But I promise, I’ve really gone over the book. Please believe me. May God bless you!!!“
Eine solch herzerweichende Entschuldigung, wurde denn auch grosszügig mit Bonuspunkten belohnt, denn eine zunächst errechnete Durchfallquote von 95% wäre von der Schulleitung keinesfalls genehmigt worden. Nach Verdoppelung der Punktzahl und zusätzlichem Feintuning der Noten, können wir nun stolz verkünden, dass 95% von Andreas Studenten die Marketingprüfung mit Bravour bestanden haben!
Wir hoffen, dass auch ihr das Jahr 2008 derart erfolgreich abschliessen könnt und wünschen Euch einen guten Rutsch ins Jahr des Goldenen Ochsen.
Vielen Dank an die treue Leserschaft. Wir melden uns im 2009 mit neuen Berichten von unserer Reise nach Shanghai, Guilin, Hong Kong, Macao und Hainan zurück…
Andrea & Thomas
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