Besten Dank für all die Feedbacks auf unseren ersten Eintrag. Tja, nun sind wir doch sage und schreibe schon fast einen Monat hier in Mian Yang zu Hause. Und langsam kehrt eine gewisse Routine ein, denn die Schule, und damit unser chinesischer Arbeitsalltag, hat letzte Woche begonnen. Dazu aber später mehr...Die letzten unterrichtsfreien Tage haben wir genutzt, um Sichuan zu erkunden. Bei einem viertägigen Kurztrip in die Berge südlich von Chengdu bezwingen wir den Emei Shan (3099m), einen der vier heiligen buddhistischen Berge Chinas. Technisch gesehen zwar keine alpinistische Meisterleistung, dafür aber durchaus eine ernsthafte konditionelle Herausforderung. Auf den Emei steigt man nämlich nicht wie gewohnt über sanft ansteigende Wanderwege, gesäumt von Krokus & Enzian und unter Beobachtung gemächlich wiederkäuender Rinder; NEIN! Auf diesen Berg führt eine gigantische Treppe, mit mindestens 15'000 Stufen, mitten durch den Dschungel. Zusätzlich erschwert wird der Aufstieg durch Gruppen aufdringlicher Wegelagerer, welche nicht mit sich spassen lassen.
Und auch die Aussicht auf dem Gipfel entschädigt leider kaum für die in Kauf genommenen Strapazen. Tönt jetzt wohl alles ein bisschen negativ, war aber letztendlich eine lustige Sache.
Den Abstieg ersparen wir uns und nehmen wie die Chinesen den Bus. Allerdings ist auch diese Strecke nicht ganz ohne... So eine Abfahrt von 2'500 Höhenmetern bietet naturgemäss einiges an schwungvollen Kurven und der chinesische Durchschnittsmagen (besonders derjenige der Damenwelt) erträgt leider nur ein sehr beschränktes Mass an Fliehkräften. Jedenfalls hängen im ganzen Bus Plastiktüten, welche während der einstündigen Fahrt denn auch fleissig benutzt werden. Zudem muss der Bus dreimal stoppen und Passagiere notfallmässig in die Büsche hüpfen lassen...Von all den Strapazen erholen wir uns am Fusse des Gipfels im wunderschönen Thermalbad; gemäss unbescheidenen chinesischen Angaben zudem natürlich auch das grösste SPA in ganz Asien.
Dass Lehrer in China einen anderen Stellenwert haben als in der Schweiz wird uns bereits am Vortag unserer ersten Schulstunde bewusst. Wir werden nämlich anlässlich des „Lehertags“ von der Schulleitung zu einer Feier eingeladen, welche von Lehrer für Lehrer veranstaltet wird. Für uns nicht Chinesisch Sprechenden eher eine Tortur denn wahre Freude, da nebst langen unverständlichen Reden von Parteimitgliedern und Schülern, auch von einigen Lehrern, äusserst selbstbewusst, epische Lieder in kreuzfalschen Tonlagen vorgetragen werden. Analog zum „Muttertag“ in der Schweiz bedankt man sich bei den Lehrern für ihren unermüdlichen Einsatz, lobt den eigenen Berufstand und einige Lehrer werden sogar von ihren Studenten zum Essen ausgeführt! Dies alles lässt uns natürlich das Beste hoffen und unsere Erwartungen sind entsprechend hoch. Trotzdem sind wir einigermassen erstaunt, als die Schüler, welche schon 10 Minuten vor Stundenbeginn ruhig und erwartungsvoll im Bank sitzen, in ihrem Erstaunen über die neuen weissen Lehrer sogar spontan applaudieren, als wir das Klassenzimmer betreten. Natürlich sollten wir die Studenten noch nicht zu sehr loben, sind es doch erst die ersten Lektionen mit uns, welche noch mit netten Diashows von unserer Seite angereichert werden und von gegenseitiger Neugier geprägt sind. Mal schauen, ob nach zahlreichen, ermüdenden Marketing-Strategie-Folien und seitenweise neuem Voci, die positive Haltung uns gegenüber weiterhin anhält. Was uns aber vorerst amüsiert, wollen wir euch Lesern nicht weiter vorenthalten:
· Die Studenten plappern unaufgefordert gewisse Schlagworte und Ausdrücke nach. Auf die Erklärung hin „I am your new marketing teacher. My name is Andrea“ rufen 60 Studenten im Chor „Andrea“.
· Die Studenten stehen zum Sprechen immer auf und was ihnen jahrelang indoktriniert wurde, können wir ihnen natürlich in den ersten Schulstunden nicht so auf die Schnelle wieder abgewöhnen.
· Wir bekommen diverse aufdringliche SMS; hier ein Müsterchen: “Hello! Thomas! I am a freshman of class 32! We haven’t have meeting, but we will meet soon! I have a dream that I can make foreign friends one day, now I think there is a good chance, I want to be your friend, may I? My English name is Jasny! My English is poor, so if I disturb you, please forgive me! I will be an active girl in your class! Best wishes!”
· Eine Studentin versteckt ihre Augen unter ihrer linken Hand, während sie sich mit rechts melden muss (Präsenzkontrolle). Auf die Frage hin, warum sie sich verstecke, antwortet sie nur „shy“.
· Zwei Knaben aus einer anderen Klasse schleichen sich über einen Balkon zu Andreas Schulzimmer und beobachten die Stunde durchs Fenster.
· Ein weiteres Fiasko sind die englischen Namen, welche sich die Schüler aussuchen, da ihre chinesischen Namen für uns Westler entschieden zu schwierig wären. Einige Studenten wie „Shock“, „Artboy“ und „Napoleon“ mussten wir darauf aufmerksam machen, dass so ein Name im späteren Berufsleben problematisch sein könnte und haben ihnen geraten denselben zu wechseln. Hier ein beispielhafter Dialog: „Thomas, I want to change my English name too.“ “OK, what’s your English name now?” “Lucy.” „ But that is a very nice English name, you don’t need to change it.“ “Yes, I want to change my name.” “So, what’s your new name?” “Apple green! I like it very much.” Oder ein Beispiel aus Andreas Klasse:„My English name is Fish.“ „ But you know, Fish is actually not really a name. Do you know what Fish means?” “Yes, but I want to give it a totally new meaning!”
· Feedback am Ende einer Stunde: „I would like to tell you that it was a very interesting lesson and I learnt many new words. I want to be a very good student. I’m so happy I can come to your class.” – Vielen Dank, lieber Student, ich bin gerührt. Aber was führst du wirklich im Schilde?!
· Ein weiteres Phänomen: Viele Schüler sind kurzsichtig, doch die wenigsten haben eine Brille. Darum werden die wenigen Brillen, welche im Klassenzimmer vorhanden sind, von Student zu Student weitergereicht, wenn sie etwas vorlesen müssen.
Mit einem weiteren, soeben eingetroffenen SMS möchten wir uns von euch verabschieden: „Goodnight teacher. I am Shock. I have changed my English name. My new name is Dan! Thank you!” - Da haben die ersten Bemühungen ja bereits Früchte getragen!-)
Macht’s gut! Liebe Grüsse aus Mian Yang, Andrea & Thomas.
Dass Lehrer in China einen anderen Stellenwert haben als in der Schweiz wird uns bereits am Vortag unserer ersten Schulstunde bewusst. Wir werden nämlich anlässlich des „Lehertags“ von der Schulleitung zu einer Feier eingeladen, welche von Lehrer für Lehrer veranstaltet wird. Für uns nicht Chinesisch Sprechenden eher eine Tortur denn wahre Freude, da nebst langen unverständlichen Reden von Parteimitgliedern und Schülern, auch von einigen Lehrern, äusserst selbstbewusst, epische Lieder in kreuzfalschen Tonlagen vorgetragen werden. Analog zum „Muttertag“ in der Schweiz bedankt man sich bei den Lehrern für ihren unermüdlichen Einsatz, lobt den eigenen Berufstand und einige Lehrer werden sogar von ihren Studenten zum Essen ausgeführt! Dies alles lässt uns natürlich das Beste hoffen und unsere Erwartungen sind entsprechend hoch. Trotzdem sind wir einigermassen erstaunt, als die Schüler, welche schon 10 Minuten vor Stundenbeginn ruhig und erwartungsvoll im Bank sitzen, in ihrem Erstaunen über die neuen weissen Lehrer sogar spontan applaudieren, als wir das Klassenzimmer betreten. Natürlich sollten wir die Studenten noch nicht zu sehr loben, sind es doch erst die ersten Lektionen mit uns, welche noch mit netten Diashows von unserer Seite angereichert werden und von gegenseitiger Neugier geprägt sind. Mal schauen, ob nach zahlreichen, ermüdenden Marketing-Strategie-Folien und seitenweise neuem Voci, die positive Haltung uns gegenüber weiterhin anhält. Was uns aber vorerst amüsiert, wollen wir euch Lesern nicht weiter vorenthalten:
· Die Studenten plappern unaufgefordert gewisse Schlagworte und Ausdrücke nach. Auf die Erklärung hin „I am your new marketing teacher. My name is Andrea“ rufen 60 Studenten im Chor „Andrea“.
· Die Studenten stehen zum Sprechen immer auf und was ihnen jahrelang indoktriniert wurde, können wir ihnen natürlich in den ersten Schulstunden nicht so auf die Schnelle wieder abgewöhnen.
· Wir bekommen diverse aufdringliche SMS; hier ein Müsterchen: “Hello! Thomas! I am a freshman of class 32! We haven’t have meeting, but we will meet soon! I have a dream that I can make foreign friends one day, now I think there is a good chance, I want to be your friend, may I? My English name is Jasny! My English is poor, so if I disturb you, please forgive me! I will be an active girl in your class! Best wishes!”
· Eine Studentin versteckt ihre Augen unter ihrer linken Hand, während sie sich mit rechts melden muss (Präsenzkontrolle). Auf die Frage hin, warum sie sich verstecke, antwortet sie nur „shy“.
· Zwei Knaben aus einer anderen Klasse schleichen sich über einen Balkon zu Andreas Schulzimmer und beobachten die Stunde durchs Fenster.
· Ein weiteres Fiasko sind die englischen Namen, welche sich die Schüler aussuchen, da ihre chinesischen Namen für uns Westler entschieden zu schwierig wären. Einige Studenten wie „Shock“, „Artboy“ und „Napoleon“ mussten wir darauf aufmerksam machen, dass so ein Name im späteren Berufsleben problematisch sein könnte und haben ihnen geraten denselben zu wechseln. Hier ein beispielhafter Dialog: „Thomas, I want to change my English name too.“ “OK, what’s your English name now?” “Lucy.” „ But that is a very nice English name, you don’t need to change it.“ “Yes, I want to change my name.” “So, what’s your new name?” “Apple green! I like it very much.” Oder ein Beispiel aus Andreas Klasse:„My English name is Fish.“ „ But you know, Fish is actually not really a name. Do you know what Fish means?” “Yes, but I want to give it a totally new meaning!”
· Feedback am Ende einer Stunde: „I would like to tell you that it was a very interesting lesson and I learnt many new words. I want to be a very good student. I’m so happy I can come to your class.” – Vielen Dank, lieber Student, ich bin gerührt. Aber was führst du wirklich im Schilde?!
· Ein weiteres Phänomen: Viele Schüler sind kurzsichtig, doch die wenigsten haben eine Brille. Darum werden die wenigen Brillen, welche im Klassenzimmer vorhanden sind, von Student zu Student weitergereicht, wenn sie etwas vorlesen müssen.
Mit einem weiteren, soeben eingetroffenen SMS möchten wir uns von euch verabschieden: „Goodnight teacher. I am Shock. I have changed my English name. My new name is Dan! Thank you!” - Da haben die ersten Bemühungen ja bereits Früchte getragen!-)
Macht’s gut! Liebe Grüsse aus Mian Yang, Andrea & Thomas.




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