Weil Bilder ja bekanntlich mehr als tausend Worte sagen, versuchen wir jeweils unsere Berichte fotographisch bestmöglich zu untermalen. Heute allerdings wollen wir euch einen Einblick ins chinesische Freizeitverhalten ermöglichen und da sind Standbilder nur unzureichend aussagekräftig. Darum gibt's im Folgenden ein paar Kurzfilmchen welche euch ein garantiert authentisch chinesisches Erlebnis in die gute Stube liefern.
Chinesen lieben es in erster Linie laut und gesellig und auch der körperlichen Ertüchtigung sind sie nicht abgeneigt, solange diese nicht allzu kräftezehrend ist. Was eignet sich da besser als gemeinsames Tanzen und Musizieren. Gemäss (chinesischen?!) Untersuchungen besitzen im weltweiten Vergleich überdurchschnittlich viele hiesige Landsleute das absolute Musikgehör. Wohnt man allerdings den öffentlichen musikalischen Darbietungen in den Parks bei, so muss man davon ausgehen, dass all diese genetisch gesegneten Geschöpfe ihr Können ausschliesslich hinter den verschlossenen Türen von Konzertsälen zum Besten geben. Vielleicht sind aber auch unsere auf Harmonie getrimmten westlichen Ohren den fremden Klängen einfach noch nicht gewachsen?!
Weiter trägt zum Unterhaltungswert solcher Veranstaltungen ein äusserst gesundes Mass an Exhibitionismus bei. Trotz Ungelenkigkeit und teilweise nahezu vollständigem Mangel an Taktgefühl, es wird zuversichtlich getanzt und geturnt. Und wo jeder Schweizer sich fleissig im stillen Kämmerchen auf seinem Instrument bis zur Konzertreife abrackert, da packt der Chinese seine Flöte oder Geige noch vor der ersten Lektion und macht sich flugs auf zum Park, um dort mit Gleichgesinnten die Menge musikalisch in Ekstase zu versetzen.
Aber macht euch am besten einfach selbst ein Bild...
Paartanz mit Störung
Bleib jung und fit; mach mit!
Tanzender Schwan, ganz ohne Scham
Kollektives Taktgefühl
Ohren zu und durch!
Musikantenstadl
18. November 2008
17. November 2008
Pflichten eines Foreign Experts
Als Shirley, unsere immer total gestresste, aber selten arbeitende Chefin mich fragt, ob ich Zeit hätte an einem Anlass teilzunehmen, sage ich sofort zu. Es gehört nämlich zu den inoffiziellen Pflichten eines „foreign teachers“ an bestimmten Zusammenkünften einfach dabei zu sein, um dem Anlass ein internationales Flair zu verleihen und unserem weltoffenem College zu Prestige zu verhelfen. Meinen letzten Auftritt hatte ich am Mitteherbstfestival, wo ich mit hohen Beamten, inklusive dem Bürgermeister von MianYang, zum Tee geladen war. Leider erhalte ich dieses Mal von Shirley keine Informationen über den Anlass, da sie selbst völlig uninformiert sei. Einige meiner Studenten mutmassten, dass es um eine Benefizveranstaltung für Erdbebenopfer gehen könnte. Doch weit gefehlt! Ich und Becky, meine amerikanische Mitrepräsentantin der weissen Menschengattung, werden also zur versprochenen Zeit am College abgeholt und in die Stadt gefahren, wo wir im Polizeihauptgebäude empfangen werden. Nachdem wir ein paar Minuten ratlos mit einem Beamten auf dem Sofa Small-Talk gemacht haben, erblicken wir ein Banner mit der Aufschrift „opening day of entry-exit administration bureau of mian yang public security bureau“. Was für eine Ehre, heute sind wir also zum Tag der offenen Tür der Einwanderungsbehörde geladen! Ich habe den Eindruck, dass alle 50 Teilnehmer genauso unwissend an den verheissungsvollen Ort geschleppt worden sind wie wir. Jeder „Interessent“ bekommt nun eine Mütze und wie man das von chinesischen Reisegruppen schon kennt, ist es wichtig, diese auch gleich aufzusetzen, damit die einzelnen Individuen zu einer Gemeinschaft verschmelzen. Auch Becky und ich können uns diesem Brauch nicht widersetzen und gehen gleich in einem Meer aus weissen Kappen unter.

Zur Feier des Tages dürfen jetzt also Fragen gestellt werden und eine Beamtin in echter Polizeiuniform (Shirley ist von den zahlreichen Medaillen recht beeindruckt) zeigt uns die Örtlichkeit, welche aus fünf Schaltern besteht und grundsätzlich einfach aussieht wie Schalterhallen von Behörden halt so aussehen. Um nicht desinteressiert zu wirken, frage ich den einen Polizisten nach der Anzahl westlicher Einwanderer, obwohl ich das eigentlich schon am Anlass zuvor gefragt habe (die Antwort ist dieselbe: 50). Die Polizisten zeigen uns unter Beobachtung diverser Medien, wie man das Visa-Formular korrekt ausfüllen muss und wie man es am Schalter abgeben kann (höchst interessant, vor allem drei Monate nachdem man das selbst schon gemacht hat!). Nach der „Führung“ stürzt sich das Mian Yanger Fernsehen mit Kamera und Mikrofon auf Becky und mich und wir müssen den enthusiastischen Reporter darüber Auskunft geben, ob das Verfahren in unseren Heimatländern ähnlich sei. Wir geben ausweichende, nichtssagende Antworten, weil wir mit der Materie nicht sehr vertraut sind (wir brauchen ja schliesslich kein Visum für unsere Heimatländer) und lächeln fröhlich in die Linse.

Zur Feier des Tages dürfen jetzt also Fragen gestellt werden und eine Beamtin in echter Polizeiuniform (Shirley ist von den zahlreichen Medaillen recht beeindruckt) zeigt uns die Örtlichkeit, welche aus fünf Schaltern besteht und grundsätzlich einfach aussieht wie Schalterhallen von Behörden halt so aussehen. Um nicht desinteressiert zu wirken, frage ich den einen Polizisten nach der Anzahl westlicher Einwanderer, obwohl ich das eigentlich schon am Anlass zuvor gefragt habe (die Antwort ist dieselbe: 50). Die Polizisten zeigen uns unter Beobachtung diverser Medien, wie man das Visa-Formular korrekt ausfüllen muss und wie man es am Schalter abgeben kann (höchst interessant, vor allem drei Monate nachdem man das selbst schon gemacht hat!). Nach der „Führung“ stürzt sich das Mian Yanger Fernsehen mit Kamera und Mikrofon auf Becky und mich und wir müssen den enthusiastischen Reporter darüber Auskunft geben, ob das Verfahren in unseren Heimatländern ähnlich sei. Wir geben ausweichende, nichtssagende Antworten, weil wir mit der Materie nicht sehr vertraut sind (wir brauchen ja schliesslich kein Visum für unsere Heimatländer) und lächeln fröhlich in die Linse.
5. November 2008
Willkommen in unseren vier Wänden
Nachdem wir nun diverse Fotos von Ausflügen und anderen Städten gepostet und mit einigen subtilen Kommentaren über die chinesischen Lebens- oder Hygienestandards sicherlich auch schon Nackenhaare aufgestellt haben, fragen sich nun wahrscheinlich einige Leser wie wir denn hier in MianYang wohnen mögen und was die Stadt zu bieten hat. Hier unsere Antwort in Bildern - und garantiert gruselfrei!
Bereits in unserem ersten Blog haben wir berichtet, wie wir unsere Wohnung nach tagelangem Schruppen schön eingerichtet haben und an dieser Stelle wird nun verraten, was wir unter "neoklassizistisch-chinesischem Stil" verstehen. Diese Einrichtungsform beinhaltet unter anderem eine grosse Menge an kitschigen, aber für unser Wohl unentbehrlichen Gegenständen, wie zum Beispiel unseren persönlichen Glückshausdrachen und den für Reichtum verantwortlichen Buddha. Diese Figuren wurden natürlich liebevoll auf unserem massgeschneiderten Tischtuch arrangiert, welches uns dank den aufgestickten Zeichen ein "langes Leben" bescheren wird.
Für die nötige Ruhe und Harmonie sind aber auch Einrichtungsgegenstände wie Kalligraphien und andere chinesische Zeichenkünste an der Wand erforderlich und um das Feng Shui (风水 „Wind und Wasser") dann schlussendlich in eine Balance zu bringen, haben wir in der Mitte unseres Wohnzimmers die traditionellen rot-goldenen Lampions montiert.
So schön unsere Wohnung inzwischen auch erscheinen mag, so hat sie doch noch einige Mängel. Die allzu heissen Sommertage hier (Durchschnittstemperatur im Juli 25% / Zürich 18%) haben wohl die Bauherren darüber hinweg sehen lassen, dass es im Winter auch empfindlich kalt werden kann. So sind die Häuser überhaupt nicht isoliert und durch die Fenster- und Türritzen zieht ein kühler Wind - vorausgesetzt das Haus hat überhaupt Fenster und Türen. Dass wir zu den Glücklichen gehören, welche über eine richtige Haustüre verfügen, verdanken wir nur der Tatsache, dass unsere Wohnung im ersten Stock liegt und deshalb vor Einsteigern geschützt werden muss. Das Problem fehlender Isolation können wir aber mit einer einzigen Einkaufstour aus der Welt schaffen: wir erstehen einen Heizkörper und je ein Paar Hausschuhe! Für die zusätzliche Wärme nehmen wir gern ein schlechtes Gewissen wegen dem erhöhten Energieverbrauch in Kauf.
Unsere Wohnung ist innerhalb des Campus, der gut 9'000 Studenten umfasst, gut gelegen, so dass wir einen minimalen Arbeitsweg von einer Minute haben, liegen die Lehrerwohnungen doch direkt neben dem Teaching Building 3 wo wir beide unterrichten. Einziger Nachteil ist, dass man in unserem Schlafzimmer die Schulglocke sogar besser hört als im Schulzimmer selber, was an unseren schulfreien Tagen nicht nötig wäre uns aber meist auch nicht weckt. Von unserem Schlafzimmer- und Küchenfenster sehen wir direkt auf einen der drei künstlichen Seen des Campus (unsere Wohnung liegt an der kurzen Seeseite) und sehen jeweils die Studenten in richtigen Völkerwanderungen in die Klassenzimmer strömen. Wer gerne noch mehr Bilder vom Campus sehen möchte, kann die Homepage des College auschecken http://www.tf-swufe.net/tf/sign.htm und blindlings ein bisschen durch die unverständlichen Menüs navigieren - irgendwo da drauf sollten auch unsere Vorlesungsunterlagen zu finden sein.
Auch Verpflegung ist gleich um die Ecke. Wenn man das Schulgelände durchs Hintertor verlässt, so stösst man auf ein ganzes Strässchen mit Imbissbuden und bunten, kleinen Restaurants. Da Downtown MianYang rund zwanzig Minuten mit dem Bus von unserem Campus entfernt ist, essen wir zwangsläufig fast immer hier und sind bekannte und sicher auch amüsante (wegen unserer Bestellweise, die entweder mit Körpersprache oder ungewöhnlichem Chinesisch erfolgt) Gäste in unseren Stammlokalen. Um die Essenszeiten, und da sind die Chinesen nur wenig flexibel, muss doch immer um 12 und 18 Uhr Nahrung aufgenommen werden, wimmelt es rund um die Verpflegungsmöglichkeiten nur so von Studenten und es liegt immer ein scharfer Geruch von Chilli in der Luft, welcher bei uns auch jetzt noch manchmal eine Hustenattake auslöst.
So kann es aussehen, wenn wir von unserem Balkon einen Blick auf die Strasse ausserhalb unseres Campus werfen. Doch dieses Wasserspektakel ereignet sich selbstverständlich nur nach starken Regengüssen, wenn das Abwassersystem völlig überlastet ist. Einige billigere Fabrikate von Fahrzeugen können den Wassermassen nicht standhalten und geben dann mitten in der Pfütze den Geist auf - interessant das aus der trockenen Wohnung zu beobachten. Aber auch in trockenem Zustand bietet die Strasse einiges an Unterhaltung, weil die Fahrzeuge eine grosse Vielfalt aufweisen und man vom Ochsenkarren über den Schweinetransport zur Militärparade einiges sehen kann.

Rund um unseren Campus ist das Land zum grossen Teil noch unverbaut. Doch das wird nicht lange so bleiben. Der wirtschaftliche Aufschwung ist in MianYang gut erkennbar und resultiert in unzähligen Neubauten und Baustellen. Fast immer werden ganze Wohnanlagen und Gebäudekomplexe erstellt, selten ein einzelnes Bauwerk. Zwar geschieht das mittels neuster Technologie mit modernsten Maschinen, doch die Baugerüste bestehen weiterhin aus Bambusstäben.

Zum Glück werden wir nur selten an das grosse Erdbeben vom 12. Mai erinnert und die Stadt selbst scheint davon ziemlich unversehrt. Trotzdem haben viele Menschen am Stadtrand und auf dem Land ihr Zuhause verloren und wohnen jetzt in Flüchtlingsdörfern in der Stadt, wovon eines nur ein paar Meter von unserer Wohnung entfernt ist. Die unglaubliche Weite des Lagers lässt einem erahnen, wie gross die Verwüstung in der Region gewesen sein muss. Doch abgesehen von einer Schule, wo Kinder Drillübungen machen, scheint bei unserem Besuch im Lager nicht mehr viel los zu sein. Viele sind wahrscheinlich wieder zurück aufs Land gezogen.

Bei einem Erkundungsstreifzug durch die nähere Umgebung sehen wir uns eine dieser riesigen Überbauungen aus der Nähe an. Keine Frage, so wohnt nicht die Mehrheit der 1.3 Milliarden Chinesen: Zuerst passiert man eine Eingangskontrolle bestehend aus mehreren Securities und ein hochmodernes Überwachungszentrum mit diversen Bildschirmen, auf denen jeder Winkel der Siedlung eingesehen werden kann. Dank unserem Exotenbonus und dem Zaubersätzchen "ting bu dong" (Sorry, wir verstehn nix!) passieren wir diese Hürde aber problemlos. Wir geben uns als potentielle Kaufinteressenten und besichtigen eine Dachwohnung im Rohbau: Für umgerechnet 70'000 Franken gibt es 150 Quadratmeter auf zwei Stöcken, inklusive riesiger Dachterrasse. Tönt grundsätzlich vielversprechend, doch beim näheren Hinschauen zeigen viele Dinge in China erst ihr wahres Gesicht: Geländer rosten bereits wenige Wochen nach der Fertigstellung, Fenster, Türen und Bodenbeläge sowie Bad und Küche fehlen und müssen auf eigene Kosten installiert werden und wie uns andere Foreign Teachers erzählen, kommen noch diverse weitere versteckte Kosten in der Höhe des Wohnungspreises hinzu. Naja, wir haben eh grad nicht genug Kleingeld dabei und verzichten darum auf den Kauf eines Eigenheims in der chinesischen Pampa.

Bereits in unserem ersten Blog haben wir berichtet, wie wir unsere Wohnung nach tagelangem Schruppen schön eingerichtet haben und an dieser Stelle wird nun verraten, was wir unter "neoklassizistisch-chinesischem Stil" verstehen. Diese Einrichtungsform beinhaltet unter anderem eine grosse Menge an kitschigen, aber für unser Wohl unentbehrlichen Gegenständen, wie zum Beispiel unseren persönlichen Glückshausdrachen und den für Reichtum verantwortlichen Buddha. Diese Figuren wurden natürlich liebevoll auf unserem massgeschneiderten Tischtuch arrangiert, welches uns dank den aufgestickten Zeichen ein "langes Leben" bescheren wird.
Für die nötige Ruhe und Harmonie sind aber auch Einrichtungsgegenstände wie Kalligraphien und andere chinesische Zeichenkünste an der Wand erforderlich und um das Feng Shui (风水 „Wind und Wasser") dann schlussendlich in eine Balance zu bringen, haben wir in der Mitte unseres Wohnzimmers die traditionellen rot-goldenen Lampions montiert.
So schön unsere Wohnung inzwischen auch erscheinen mag, so hat sie doch noch einige Mängel. Die allzu heissen Sommertage hier (Durchschnittstemperatur im Juli 25% / Zürich 18%) haben wohl die Bauherren darüber hinweg sehen lassen, dass es im Winter auch empfindlich kalt werden kann. So sind die Häuser überhaupt nicht isoliert und durch die Fenster- und Türritzen zieht ein kühler Wind - vorausgesetzt das Haus hat überhaupt Fenster und Türen. Dass wir zu den Glücklichen gehören, welche über eine richtige Haustüre verfügen, verdanken wir nur der Tatsache, dass unsere Wohnung im ersten Stock liegt und deshalb vor Einsteigern geschützt werden muss. Das Problem fehlender Isolation können wir aber mit einer einzigen Einkaufstour aus der Welt schaffen: wir erstehen einen Heizkörper und je ein Paar Hausschuhe! Für die zusätzliche Wärme nehmen wir gern ein schlechtes Gewissen wegen dem erhöhten Energieverbrauch in Kauf.
Unsere Wohnung ist innerhalb des Campus, der gut 9'000 Studenten umfasst, gut gelegen, so dass wir einen minimalen Arbeitsweg von einer Minute haben, liegen die Lehrerwohnungen doch direkt neben dem Teaching Building 3 wo wir beide unterrichten. Einziger Nachteil ist, dass man in unserem Schlafzimmer die Schulglocke sogar besser hört als im Schulzimmer selber, was an unseren schulfreien Tagen nicht nötig wäre uns aber meist auch nicht weckt. Von unserem Schlafzimmer- und Küchenfenster sehen wir direkt auf einen der drei künstlichen Seen des Campus (unsere Wohnung liegt an der kurzen Seeseite) und sehen jeweils die Studenten in richtigen Völkerwanderungen in die Klassenzimmer strömen. Wer gerne noch mehr Bilder vom Campus sehen möchte, kann die Homepage des College auschecken http://www.tf-swufe.net/tf/sign.htm und blindlings ein bisschen durch die unverständlichen Menüs navigieren - irgendwo da drauf sollten auch unsere Vorlesungsunterlagen zu finden sein.
Auch Verpflegung ist gleich um die Ecke. Wenn man das Schulgelände durchs Hintertor verlässt, so stösst man auf ein ganzes Strässchen mit Imbissbuden und bunten, kleinen Restaurants. Da Downtown MianYang rund zwanzig Minuten mit dem Bus von unserem Campus entfernt ist, essen wir zwangsläufig fast immer hier und sind bekannte und sicher auch amüsante (wegen unserer Bestellweise, die entweder mit Körpersprache oder ungewöhnlichem Chinesisch erfolgt) Gäste in unseren Stammlokalen. Um die Essenszeiten, und da sind die Chinesen nur wenig flexibel, muss doch immer um 12 und 18 Uhr Nahrung aufgenommen werden, wimmelt es rund um die Verpflegungsmöglichkeiten nur so von Studenten und es liegt immer ein scharfer Geruch von Chilli in der Luft, welcher bei uns auch jetzt noch manchmal eine Hustenattake auslöst.
So kann es aussehen, wenn wir von unserem Balkon einen Blick auf die Strasse ausserhalb unseres Campus werfen. Doch dieses Wasserspektakel ereignet sich selbstverständlich nur nach starken Regengüssen, wenn das Abwassersystem völlig überlastet ist. Einige billigere Fabrikate von Fahrzeugen können den Wassermassen nicht standhalten und geben dann mitten in der Pfütze den Geist auf - interessant das aus der trockenen Wohnung zu beobachten. Aber auch in trockenem Zustand bietet die Strasse einiges an Unterhaltung, weil die Fahrzeuge eine grosse Vielfalt aufweisen und man vom Ochsenkarren über den Schweinetransport zur Militärparade einiges sehen kann.
Rund um unseren Campus ist das Land zum grossen Teil noch unverbaut. Doch das wird nicht lange so bleiben. Der wirtschaftliche Aufschwung ist in MianYang gut erkennbar und resultiert in unzähligen Neubauten und Baustellen. Fast immer werden ganze Wohnanlagen und Gebäudekomplexe erstellt, selten ein einzelnes Bauwerk. Zwar geschieht das mittels neuster Technologie mit modernsten Maschinen, doch die Baugerüste bestehen weiterhin aus Bambusstäben.
Zum Glück werden wir nur selten an das grosse Erdbeben vom 12. Mai erinnert und die Stadt selbst scheint davon ziemlich unversehrt. Trotzdem haben viele Menschen am Stadtrand und auf dem Land ihr Zuhause verloren und wohnen jetzt in Flüchtlingsdörfern in der Stadt, wovon eines nur ein paar Meter von unserer Wohnung entfernt ist. Die unglaubliche Weite des Lagers lässt einem erahnen, wie gross die Verwüstung in der Region gewesen sein muss. Doch abgesehen von einer Schule, wo Kinder Drillübungen machen, scheint bei unserem Besuch im Lager nicht mehr viel los zu sein. Viele sind wahrscheinlich wieder zurück aufs Land gezogen.
Bei einem Erkundungsstreifzug durch die nähere Umgebung sehen wir uns eine dieser riesigen Überbauungen aus der Nähe an. Keine Frage, so wohnt nicht die Mehrheit der 1.3 Milliarden Chinesen: Zuerst passiert man eine Eingangskontrolle bestehend aus mehreren Securities und ein hochmodernes Überwachungszentrum mit diversen Bildschirmen, auf denen jeder Winkel der Siedlung eingesehen werden kann. Dank unserem Exotenbonus und dem Zaubersätzchen "ting bu dong" (Sorry, wir verstehn nix!) passieren wir diese Hürde aber problemlos. Wir geben uns als potentielle Kaufinteressenten und besichtigen eine Dachwohnung im Rohbau: Für umgerechnet 70'000 Franken gibt es 150 Quadratmeter auf zwei Stöcken, inklusive riesiger Dachterrasse. Tönt grundsätzlich vielversprechend, doch beim näheren Hinschauen zeigen viele Dinge in China erst ihr wahres Gesicht: Geländer rosten bereits wenige Wochen nach der Fertigstellung, Fenster, Türen und Bodenbeläge sowie Bad und Küche fehlen und müssen auf eigene Kosten installiert werden und wie uns andere Foreign Teachers erzählen, kommen noch diverse weitere versteckte Kosten in der Höhe des Wohnungspreises hinzu. Naja, wir haben eh grad nicht genug Kleingeld dabei und verzichten darum auf den Kauf eines Eigenheims in der chinesischen Pampa.
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