Auch wenn derzeit Millionen chinesischer Arbeiter verschlossene Fabriktore vorfinden und Tausende Frachtcontainer in Shanghai und Hongkong vor sich hinrosten; China bleibt vorerst Spitzenreiter unter den Exportnationen. Ohne chinesische Produkte würden wir diesen Blog wohl eher als Rundschreiben in Papierform aufsetzen, wobei dies ebenfalls schwierig werden dürfte, da auch die grosse Mehrheit an Kugelschreibern aus dem Reich der Mitte stammt; du, werter Leser, gingest (bestenfalls) in Unterwäsche zur Arbeit und Herr und Frau Schweizer verfolgten die Tagesschau erstens gar nicht und zweitens nicht von ihrem IKEA-Sofa aus.
Nun, wir alle haben uns daran gewöhnt, dass wir uns auch in der Schweiz mehrheitlich mit Produkten „Made in China“ umgeben und meist sind wir ja auch ganz zufrieden mit deren Qualität. Wir dachten uns also, dass der einzige Unterschied zwischen Produkten "Made in China to be exported to Switzerland" und "Made in China for China" einzig in einem äusserst vorteilhaften Preis bestehen würde. Wie sich bald zeigen sollte, hatten wir uns da gewaltig getäuscht! Zwar liegen die Preise für Güter des täglichen Bedarfs erwartungsgemäss tief, doch leider verhält sich die Qualität fast immer absolut proportional dazu.
Bereits beim Einrichten unserer chinesischen Bleibe machen wir erste unliebsame Erfahrungen, wie schwierig das Leben als Heimwerker sein kann: Beim Dekorieren unserer weissen Wände mit chinesischen Kalligraphien sitzt bereits vor Gebrauch der Kopf des Hammers gefährlich locker, beim ersten Schlag verlieren die meisten Nägel sogleich ihren Kopf und vom Verputz an den Wänden wollen wir erst gar nicht sprechen. Erschöpft vom schweisstreibenden Nageln wollen wir uns einen Tee brauen, doch der soeben erstandene Wasserkocher hat Wackelkontakt und der Teekrug leckt vom ersten Tag an. Auch diverse Putzutensilien halten den Schweizer Ansprüchen an Sauberkeit und der daraus resultierenden Beanspruchung nicht stand: Besen zerbrechen nach kaum einem Wisch und Putzlappen halten häufig nicht viel länger als ein Taschentuch.
Hemden, bei denen sich die Mehrheit der Knöpfe schon vor dem ersten Mal Tragen verabschiedet, ein Sofa mit gebrochenem Bein, nie ganz dichte Leitungen, Rindsfilet für Wiederkäuer und DVDs mit englischen Untertiteln, bei denen man sich ernsthaft fragt, ob die Übersetzer wirklich denselben Film geschaut haben... An all diese Unzulänglichkeiten haben wir uns mittlerweile gewöhnt, können gar mit einem Lächeln darüber hinwegsehen; so auch über die Öllache unter unserer kaum drei Monate alten Heizung. Immerhin hat sie nicht mitten im Wohnzimmer zu brennen begonnen, wie dies bei unseren Nachbarn vor kurzem der Fall war...
31. März 2009
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