17. Juni 2009

Ein klassischer Reisebericht

Wir haben Besuch! Ende April wagt sich zunächst eine Vorhut bestehend aus Andreas Bruder und Cousin nach MianYang, eine Woche später fällt dann aber das ganze Heer, sprich die halbe Verwandtschaft von Andrea, in China ein. Die achtköfpige Reisegruppe bestehend aus Thomas, Christian, Mami, Papi, Gotti, Freddy und uns trifft sich in Chengdu zum ersten sichuanesischen
Gelage.
Mit acht Personen bildet man glücklicherweise eine ausreichend starke Interessengruppe…

… um sich im Chengduer Verkehrschaos aus Autos, Velo, Töfflis und allen anderen Vehikeln auf 1 bis 10 Rädern durchzusetzen. Dafür muss man sich fürs Taxi in zwei Gruppen aufteilen, wovon dann meist eine östlich und die andere westlich des zu besuchenden Tempels ausgeladen wird, was dann zu einer etwas grossräumigeren Art von „Räuber und Poli“ führt.

Beim Besuch im WenShu-Kloster im Zentrum Chengdus, horchen chinesische Touristen...
… ungläubig dem endlosen Singsang der Mönche. Von religiösen Sitten und Gebräuchen haben die meisten Chinesen keine grosse Ahnung und so erstaunt es wenig, dass der Reiseführer eine spirituelle Einführung geben muss, bevor sich die Masse unfeierlich auf die heiligen Räucherstäbchen stürzt und sich hektisch vor Buddha auf die Knie fallen lässt.

Auch wenn heutzutage nur noch ein paar Ewiggestrige in Mao-Uniformen anzutreffen sind, so ist dieser Herr beziehungsweise sein Pudel, doch ein eher ausserordentliches Exemplar gelebten Individualismus.

Schlitzaugen mit Langnase – Langnase mit Schlitzaugen: Jeder möchte sein Erinnerungsfoto fürs Album.


Die Herausforderung des Tages: Nudelsuppe essen mit Stäbchen! Die Kleider bleiben sauber und somit ist die kulinarische Aufnahmeprüfung ins Reich der Mitte bestanden. Die mitgebrachten Notfall-Plastikgabeln aus dem Flugzeug sind von nun an tabu!

Nach einem langen Stadtmarsch geht nichts über eine chinesische Fussmassage. Da wir bei den Preisverhandlungen im Luxusmassagetempel klein beigeben müssen, nehmen wir danach mit einem Hinterzimmersalon vorlieb. Leider ist hier die Kapazität zu gering um alle Füsse bedienen zu können, dafür geniessen Thomas und Andrea eine Gratis-Chinesischstunde mit den Masseuren. Eigentlich ganz sympathische Kerle, abgesehen von ihrem unglaublichen Hass auf die Japaner und ihrer ach so unkritischen Lobpreisung des Herrn Maos; aber mit dieser Einstellung sind sie ja nicht allein!


Um unsere nächste Destination zu erreichen, wagen wir uns mit grossen Koffern ins Chaos eines chinesischen Zuges. Schon für die Fahrkarten müssen wir über eine Stunde Schlange stehen, dabei einige Ellbogenchecks einstecken und andere Drängelmethoden mit stoischer Ruhe (naja, mehr oder weniger) erdulden. Obwohl der Einstieg hier noch total entspannt aussieht …


…endet die Fahrt in einem totalen Gedränge. Wir machen uns ernsthaft Gedanken darüber, wie wir zu acht wieder aus dem Zug kommen und entwickeln vor dem Halt eine Fluchtstrategie. Wir Schweizer haben es doch schon auf unserer ersten Zug-, Bus- oder Tramfahrt gelernt: „Zerscht d‘Lüüt uusstiige lah!!“. Wers nicht von Mami und Papi gehört hat, bekommts nun von der Dame mit Megaphon erläutert.



Wir bezwingen den 3‘000 Meter hohen Mount Emei, dessen endlose Treppenanstiege Andrea und Thomas bereits letztes Jahr bei Wind und Regen bezwungen haben. Zwar steigen wir diesmal nur die letzten 500 Höhenmeter zu Fuss auf, doch Höhe, Kälte und die steilen Treppen machen aus dem vermeintlichen Sonntagsspaziergang eine doch einigermassen anstrengende Wanderung. Auf dem Gipfel schliessen wir uns mit einer chinesischen Lehrerfamilie für ein Gruppenfoto zusammen.

Zwar ist es mit 3 Grad und eisigem Wind auf dem Gipfel recht ungemütlich, dafür sehen wir diesmal die Gipfelstatue in voller Grösse. (Vergleiche mit dem Blog vom …)


Ausgerechnet in den 1.Mai-Ferien, wo die Mehrheit der 1.3 Milliarden Chinesen frei hat, besuchen wir eines der bekanntesten Touristenziele des Landes. Doch den mit 71 Metern grössten, sitzenden Stein-Buddha (Vorsicht mit Superlativen, gibt es doch auch den grössten goldenen Buddha, den längsten liegenden Jade-Buddha usw.) sieht man auch aus einer gewissen Distanz noch wunderbar.

Für das obligate Ferienfoto können wir uns sogar noch ein Plätzchen vor dem Buddha-Kopf erkämpfen, ersparen uns aber das vier-stündige Schlangestehen, um auch noch die Füsse aus der Nähe zu bewundern.


In der kleinen Baracke in MianYang, wo die traditionelle Sichuanoper tagein tagaus vor dem sich nur geringfügig verändernden Stammpublikum, mit einem geschätzten Alterdurchschnitt von um die 75 Jahren, aufgeführt wird, sorgt die Ermordung einer adeligen Hofdame für Katzengejammer auf der Bühne und lautes Gelächter bei den Zuschauern.


Keine Sichuanreise ohne Pandabären. Mit dem Schwarzmarkttaxi geht’s (leider auf Umwegen) in die berühmte Pandazuchtstation.


Wenn man drei Wochen in China reist, dann ist es ja schon fast unmöglich KEINE Panne mitzuerleben. Ganz nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit, müssen wir auf dem Weg nach Langzhong zweimal eine Zwangspause einlegen, weil ein Reifen geplatzt ist.


Die Sicht über das wunderbar erhaltene und sanft restaurierte, traditionelle Dorf entschädigt aber für die strapaziöse Fahrt im Minibus.



Unsere Reisgruppe ist unkompliziert und ausdauernd und lässt sich auch nach stundenlangem Sightseeing noch zu einem von Thomas ausführlichen Fotoshootings überreden.



Was hier nach einem ärmlichen Bauerndorf aussieht, ist in Wahrheit die Altstadt der grössten Stadt der Welt. Vom Glanz des Stadtzentrums ist hier allerdings nur wenig zu sehen.


Vorallem der Geruch dieses Quartiers setzt unserer Reisegruppe etwas zu. Und doch lohnt sich ein Rundgang durch die engen Gassen, kriegt man doch so manches interessante Sujet vor die Linse. Glücklicherweise kämpft die Welt zur Zeit nicht mehr mit grippigen Vögeln sondern Schweinen!



Fussgänger, Autofahrer und Angehörige der Bang-Bang-Armee (ein Heer von Lastenträgern, welche treppauf treppab diverse Güter mit einer über der Schulter liegenden Bambuslatte transportieren) wuseln in Chongqing auf unzähligen Ebenen durch den Hochhausdschungel.



Im modernen Stadtzentrum oder beim Nachtessen auf der anderen Flussseite kann man dem Lärm und Schmutz der Stadt für eine Weile entkommen.



Doch am Besten entgeht man den Unannehmlichkeiten der Grossstadt in unserer Luxussuite. Eine Nacht im internationalen 5-Sterne-Hotel kostet hier nur 100 Franken pro Doppelzimmer und beinhaltet ein riesiges Frühstücksbuffet, Schwimmbad, Sauna und Fitnessraum. Nur schade, dass das Hotel auch Chinesen beherbergt, so kann man dem ewigen Rumspucken leider auch im Hotelswimmingpool nicht ausweichen.



Für uns endet diese Reise hier, während Andreas Familie weiter nach HongKong zieht. Thomas, Christian, Mami, Papi, Gotti und Fredy, vielen Dank für Euren Besuch und die mitgebrachten Leckereien aus der Schweiz!

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